Sie sehen anders aus. Sie reden anders. Sie trinken Bier in der
Öffentlichkeit. Und sie haben was gegen Nazis. In Dortmund halten
sich viele politisch linksorientierte in sogenannten Subkulturen auf,
die besonders aus dem konservativem Mileau argwöhnisch beäugt
werden.
Seitdem ich Politik mache, steht die Forderung dieser Jugendlichen
nach einem autonomen sozialen Zentrum im Raum. Bisher jedoch in der
Xten Generation Jugendlicher ohne Erfolg.
Zeitweilig versammelten sich Jugendliche der Emo-Szene am
Dortmunder Stadtgarten. Sie hörten Musik, sie feierten Partys und
sie lachten laut. Und auch der kursgeschorene Rasen wurden hier und
da mal betreten. Dies ging so lange bis sich eine Ratsfrau der CDU
beschwerte, die fühle sich bei der Anreise zum benachbarten Rathaus
von der Anwesenheit der jungen Menschen bedroht. Das Ordnungsamt
vertrieb die Emos daraufhin.
Auf der Brückstrasse das
gleiche Spiel. Die linke Szenekneipe HirschQ – viel zu klein für
ihr Klientel – zieht auch hier Jugendliche und junge Erwachsene an.
In so großen Massen, dass sie sich auf der Strasse aufhalten, weil
die Kneipe sie häufig nicht aufnehmen kann. Polizei und Ordnungsamt
gehen dann gegen dagegen vor und verteilen Platzverweise als würde
man dadurch eine Belobigung für die Beamtenlaufbahn erhalten.
So
geht das seit Jahren – bei den allfälligen Podiumsdiskussionen an
den Dortmunder Schulen zu Wahlkampfzeiten werde ich regelmäßig
darauf angesprochen, dass es in Dortmund keine Anlaufstelle gäbe,
die dieser Zielgruppe gerecht würde. Das man ein autonomes
selbstverwaltetes Zentrum brauche. Die Durchsetzung dieses Zentrums
ist seit Jahren Teil des Kommunalwahlporgrammes der LINKSPARTEI. Die
Durchsetzung ist angesichts der Mehrheitsverhältnisse im Dortmunder
Rat aber nicht leicht.
Nun ist Bewegung in die Sache gekommen – einige hundert junge
Menschen haben die Dinge in die eigene Hand genommen. Sie gründeten
das Zentrum Avanti – zunächst noch ohne Raum. Dann besetzten sie
die marode Albertus-Magnus-Kirche in der Nordstadt. Und sie begannen
sie wieder herzurichten – stellten Blumenkübel auf und führten
einfach Reparaturen durch. Die Anwohner begrüßten die Initiative
und versorgten die Avantis mit Getränken und Nahrung, ließen sie
ihre sanitären Einrichtungen benutzen. Die katholische Kirche
verkündete, dass sie keine rechtliche Schritte einleiten wolle und
die Besetzung dulden würde. Allerdings nur auf Zeit, denn ein
Investor für den Abriss der Kirche und den Neubau einer
interkulturellen Kindertagesstätte stünde schon in den
Startlöchern.
Also eine Erfolgsstory ? Nur teilweise – die
Avantis haben in diesen Tagen deutlich gemacht, was gehen könnte,
wenn man sie machen ließe. Allerdings hatte die Polizei schon
Gegenmaßnahmen getroffen – unter ihrem Schutz wurde eine
erfolgreich blockierte Nazidemo aus der Innenstadt direkt vor das
besetzte Gebäude gelotzt. Leider fand sich auch passend dazu ein
Steinewerfer, so dass es gelang unter dem Vorwand der Ermittlungen
wegen des Steinwurfs die Albertus-Magnus-Kirche zu räumen – gegen
den erklärten Willen des Besitzers.
Bald darauf wurde nach Vorberatungen mit verschiedenen Akteuere
ein runder Tisch einberufen. Mit an Bord waren neben den Avantis das
Quartiersmanagement der Nordstadt, der Obmann der Stadt für die
Nordstadt, der Dortmunder Mieterverein, die katholische Kirche, ein
Vertreter der SPD, eine Vertreterin der Grünen Ratsfraktion und ein
Vertreter der Fraktion DIE LINKE & PIRATEN. Im Ergebnis wurde die
politische Initiative gesucht. Der SPD-Vorstand beauftragte die
SPD-Ratsfraktion mit Grünen und LINKEN in dieser Sache zusammen zu
arbeiten. Und so wurde ein gemeinsamer Antrag der drei Fraktionen in
den Ausschuss für Finanzen, Beteiligungen und Liegenschaften
eingebracht.
Dieser war allerdings sehr weichgespült formuliert worden, wie
ein SPD-Ratsvertreter in Richtung der eigenen Fraktion treffend formulierte. Verbale Angriffe von CDU,
FDP und AfD auf das Vorhaben wurden von Grünen, LINKEN
und Sozialdemokraten argumentativ abgewehrt. Der Antrag wurde mehrheitlich
beschlossen.
Nun liegt der Ball vorerst im Feld der Verwaltung
– und bei Avanti selbst. Ein belastbares Betriebskonzept muss her
und eine Immobilie. Vielversprechende Ansätze dazu sind vorhanden
und vielleicht wird ja tatsächlich die Neverending Story um ein
autonomes soziales Zentrum zu einer Erfolgsgeschichte für die
Nordstadt. Denn einen Umsonstladen, eine Umsonstfahradwerkstadt für
Menschen ohne Geld und ein Veranstaltungszentrum für Linke Subkultur
wäre eine deutliche Bereicherung. Und nicht zuletzt auch ein Schutz
der Nordstadt vor den Aktivitäten von Neonazis.
Montag, 10. November 2014
Dienstag, 24. Juni 2014
Naziangriff auf die
Demokratie: „Mit einem Schlag ins Rathaus“ – ein
Augenzeugenbericht
Auf der Wahlparty der Linkspartei herrschte am 25. Mai ausgelassene Stimmung. Immerhin hatte DIE LINKE die Kommunalwahlen klar gewonnen, ihre absoluten Wählerstimmen im Vergleich zur Wiederholungswahl 2012 nahezu verdreifacht und ihre Ratsmandate immerhin verdoppelt. Doch dann bekam der Abend eine ganz andere Wendung, die die Kommunalwahlen in den Hintergrund treten ließ.
Zunächst betrat ein zweiköpfiger Neonazis-Erkundungstrupp den Friedensplatz. Bekleidet mit gelben T-Shirts, die für eine vom Innenminister verbotene Neonaziorganisation warben, drucksten sich die zwei Nazis an der der Innenstadt zugewandten Häuserfront entlang. Ein Ruf drang in die Bürgerhalle „Die Nazis kommen“. Ich bin daraufhin vor die Tür getreten und habe diesen ersten Erkundungstrupp beobachtet. Die beiden Nazis erreichten schließlich den äußersten Rand der Rathaustreppe nahe einer italienischen Pizzeria.
Es kam zu einer verbalen Auseinandersetzung mit mehreren Rauchern, die ein wenig Abseits standen. Vor dem Rathaus standen bereits eine größere Anzahl von Menschen, die sich überwiegend zum Rauchen dort aufhielten (Im Rathaus gilt ein striktes Rauchverbot). Einige Personen aus der Menge kam den unter Druck gesetzten Menschen ohne Zögern zu Hilfe, worauf sich die beiden Nazis sofort im Laufschritt zurückzogen.
Ich bin augenblicklich erneut ins Rathaus gegangen und habe die Mitarbeiter an der Rathauspforte aufgefordert sofort die Polizei darüber zu unterrichten, dass sich Nazis auf dem Weg zum Rathaus befinden und die Situation zu eskalieren droht. Dies ist dann auch geschehen.
Ein paar Minuten später betrat eine 6-köpfige Nazigruppe den Friedensplatz und hielt sich wartend im hinterem Bereich des Platzes auf. Ich beobachtet die Szenerie mit Argwohn. Inzwischen kamen die ersten Rettungswagen auf dem Friedensplatz an, die offenbar den Notrufen gefolgt waren. Ich wurde unabhängig voneinander von mehreren Personen angesprochen, die mich auf ein Fahrzeug des Staatsschutzes aufmerksam machen wollten, dass sich offenbar direkt nach Ankunft der beiden ersten Nazis vom Friedensplatz zurückgezogen hatte. O-Ton: "Die sind einfach abgehauen".
Als die Gruppe der knapp 30 gewaltbereiten Nazis vollzählig war, bewegten sie sich rassistische Parolen grölend in Marschformation auf den Eingang des Rathauses zu. Dort hatten sich viele Menschen zu einer Menschenkette untergehakt, um ihre demokratische Gesinnung zu demonstrieren und den Nazis zu signalisieren, dass sie im Rathaus nicht willkommen sind. Die Nazis gingen ohne weitere verbale Auseinandersetzung sofort auf die Menschenkette los und schlugen Mitglieder des Rates, Mitglieder der Bezirksvertretungen oder von den Fraktionen des Rates eingeladene Gäste. Auch wurde von Seiten der Nazis sehr schnell Pfefferspray eingesetzt, als klar wurde, dass die angesichts der Bedrohungssituation äußerst diszipliniert und besonnen agierende Menschenkette diesen Angriffen standhielt. Ein Bezirksvertreter von DIE LINKE wurde ins Innere des Rathauses weggeführt, weil ihm Pfefferspray direkt ins Gesicht gesprüht worden war und musste medizinisch behandelt werden.
Es folgten mehrere weitere Angriffswellen auf räumlich eingegrenzte Bereiche der Menschenkette, die systematisch versucht haben die Schwachstellen ausfindig zu machen. Ziel der Nazis war es augenfällig sich gewaltsam Zutritt zum Rathaus zu verschaffen. Das Ratsmitglied der Rechten Borchart nahm an den Angriffen nicht selbst teil, koordinierte aber die gewaltsamen Angriffe auf die Menschenkette und gab seinen Schlägern Anweisungen, wo sie als Nächstes angreifen sollten.
An einer Stelle gelang den Nazis dann der gewaltsame Durchbruch bis zur Rathaustür, die Menschenkette wurde gesprengt und die Gewalttätigkeiten der Nazis wurde noch einmal heftiger. Eine Frau wurde an ihren Haaren gegen die Wand des Ratshauses geschleudert. Nach diesem Vorstoß bis zur Tür konnten sie aus dem Innenraum heraus allerdings wieder zurückgedrängt werden. Ein einzelner Nazi konnte allerdings bis in den Innenraum des Ratshauses vordringen und wurde von dort aus wieder gewaltfrei hinaus eskortiert.
Nach dieser Aktion wurde die Menschenkette zahlenmäßig aus dem Innenraum weiter verstärkt und ein Durchkommen für die Nazis unmöglich. Nun skandierten beide Seiten Parolen. Die Nazis provozierten mit volksverhetzenden Inhalten. Die Demokraten reagierten mit Sarkasmus: „Ohne den Verfassungsschutz seid Ihr nur zu dritt“. Zu dieser Zeit erreichten auch die ersten Polizisten den Friedensplatz – lange nach dem Eintreffen der ersten Rettungswagen, deren Reaktionszeit deutlich kürzer war, als die Reaktionszeit der Polizei.
Diese ersten wenigen Beamten stellten sich dann schützend vor die Menschenkette und hielten die Nazis durch den Einsatz von Schlagstöcken und Pfefferspray auf Abstand. Nach und nach verstärkte die Polizei ihre Einsatzkräfte und schließlich wurden die Rechten von der Polizei eingekreist und später zu den Haltestellen des ÖPNV eskortiert, mit denen sie auch aus Dorstfeld kommend angereist waren.
von
Utz Kowalewski
Auf der Wahlparty der Linkspartei herrschte am 25. Mai ausgelassene Stimmung. Immerhin hatte DIE LINKE die Kommunalwahlen klar gewonnen, ihre absoluten Wählerstimmen im Vergleich zur Wiederholungswahl 2012 nahezu verdreifacht und ihre Ratsmandate immerhin verdoppelt. Doch dann bekam der Abend eine ganz andere Wendung, die die Kommunalwahlen in den Hintergrund treten ließ.
Zunächst betrat ein zweiköpfiger Neonazis-Erkundungstrupp den Friedensplatz. Bekleidet mit gelben T-Shirts, die für eine vom Innenminister verbotene Neonaziorganisation warben, drucksten sich die zwei Nazis an der der Innenstadt zugewandten Häuserfront entlang. Ein Ruf drang in die Bürgerhalle „Die Nazis kommen“. Ich bin daraufhin vor die Tür getreten und habe diesen ersten Erkundungstrupp beobachtet. Die beiden Nazis erreichten schließlich den äußersten Rand der Rathaustreppe nahe einer italienischen Pizzeria.
Es kam zu einer verbalen Auseinandersetzung mit mehreren Rauchern, die ein wenig Abseits standen. Vor dem Rathaus standen bereits eine größere Anzahl von Menschen, die sich überwiegend zum Rauchen dort aufhielten (Im Rathaus gilt ein striktes Rauchverbot). Einige Personen aus der Menge kam den unter Druck gesetzten Menschen ohne Zögern zu Hilfe, worauf sich die beiden Nazis sofort im Laufschritt zurückzogen.
Ich bin augenblicklich erneut ins Rathaus gegangen und habe die Mitarbeiter an der Rathauspforte aufgefordert sofort die Polizei darüber zu unterrichten, dass sich Nazis auf dem Weg zum Rathaus befinden und die Situation zu eskalieren droht. Dies ist dann auch geschehen.
Ein paar Minuten später betrat eine 6-köpfige Nazigruppe den Friedensplatz und hielt sich wartend im hinterem Bereich des Platzes auf. Ich beobachtet die Szenerie mit Argwohn. Inzwischen kamen die ersten Rettungswagen auf dem Friedensplatz an, die offenbar den Notrufen gefolgt waren. Ich wurde unabhängig voneinander von mehreren Personen angesprochen, die mich auf ein Fahrzeug des Staatsschutzes aufmerksam machen wollten, dass sich offenbar direkt nach Ankunft der beiden ersten Nazis vom Friedensplatz zurückgezogen hatte. O-Ton: "Die sind einfach abgehauen".
Als die Gruppe der knapp 30 gewaltbereiten Nazis vollzählig war, bewegten sie sich rassistische Parolen grölend in Marschformation auf den Eingang des Rathauses zu. Dort hatten sich viele Menschen zu einer Menschenkette untergehakt, um ihre demokratische Gesinnung zu demonstrieren und den Nazis zu signalisieren, dass sie im Rathaus nicht willkommen sind. Die Nazis gingen ohne weitere verbale Auseinandersetzung sofort auf die Menschenkette los und schlugen Mitglieder des Rates, Mitglieder der Bezirksvertretungen oder von den Fraktionen des Rates eingeladene Gäste. Auch wurde von Seiten der Nazis sehr schnell Pfefferspray eingesetzt, als klar wurde, dass die angesichts der Bedrohungssituation äußerst diszipliniert und besonnen agierende Menschenkette diesen Angriffen standhielt. Ein Bezirksvertreter von DIE LINKE wurde ins Innere des Rathauses weggeführt, weil ihm Pfefferspray direkt ins Gesicht gesprüht worden war und musste medizinisch behandelt werden.
Es folgten mehrere weitere Angriffswellen auf räumlich eingegrenzte Bereiche der Menschenkette, die systematisch versucht haben die Schwachstellen ausfindig zu machen. Ziel der Nazis war es augenfällig sich gewaltsam Zutritt zum Rathaus zu verschaffen. Das Ratsmitglied der Rechten Borchart nahm an den Angriffen nicht selbst teil, koordinierte aber die gewaltsamen Angriffe auf die Menschenkette und gab seinen Schlägern Anweisungen, wo sie als Nächstes angreifen sollten.
An einer Stelle gelang den Nazis dann der gewaltsame Durchbruch bis zur Rathaustür, die Menschenkette wurde gesprengt und die Gewalttätigkeiten der Nazis wurde noch einmal heftiger. Eine Frau wurde an ihren Haaren gegen die Wand des Ratshauses geschleudert. Nach diesem Vorstoß bis zur Tür konnten sie aus dem Innenraum heraus allerdings wieder zurückgedrängt werden. Ein einzelner Nazi konnte allerdings bis in den Innenraum des Ratshauses vordringen und wurde von dort aus wieder gewaltfrei hinaus eskortiert.
Nach dieser Aktion wurde die Menschenkette zahlenmäßig aus dem Innenraum weiter verstärkt und ein Durchkommen für die Nazis unmöglich. Nun skandierten beide Seiten Parolen. Die Nazis provozierten mit volksverhetzenden Inhalten. Die Demokraten reagierten mit Sarkasmus: „Ohne den Verfassungsschutz seid Ihr nur zu dritt“. Zu dieser Zeit erreichten auch die ersten Polizisten den Friedensplatz – lange nach dem Eintreffen der ersten Rettungswagen, deren Reaktionszeit deutlich kürzer war, als die Reaktionszeit der Polizei.
Diese ersten wenigen Beamten stellten sich dann schützend vor die Menschenkette und hielten die Nazis durch den Einsatz von Schlagstöcken und Pfefferspray auf Abstand. Nach und nach verstärkte die Polizei ihre Einsatzkräfte und schließlich wurden die Rechten von der Polizei eingekreist und später zu den Haltestellen des ÖPNV eskortiert, mit denen sie auch aus Dorstfeld kommend angereist waren.
Montag, 31. März 2014
Stilblüten aus dem Ausschuss für Umwelt, Stadtgestaltung, Wohnen und Immobilien (AUSWI) vom 26.3.2014
Stilblüte 1: Das Umweltamt
hat 60 von 90 beantragten Osterfeuern wegen Verstößen gegen die
Osterfeuerverordnung nicht genehmigt. Es weist darauf hin, dass das Holz
frühestens 14 Tage vor dem Feuer gesammelt werden darf und am Tag des
Osterfeuers von Hand umgeschichtet werden muss. Soweit alles ok.
Nun haben aber letzten Mittwoch die Grünen im Umweltausschuss beantragt, dass Osterfeuerholz von Hand umgeschichtet werden müsse, damit keine Tiere zu Schaden kommen. Ok - kann passieren. Was aber nicht passieren sollte ist dann, dass SPD und CDU diesen Antrag ablehnen mit der inhaltlichen Begründung "Ein bisschen Schwund ist immer! Das kann den Leuten nicht zugemutet werden, das von Hand zu machen".
Nun haben aber letzten Mittwoch die Grünen im Umweltausschuss beantragt, dass Osterfeuerholz von Hand umgeschichtet werden müsse, damit keine Tiere zu Schaden kommen. Ok - kann passieren. Was aber nicht passieren sollte ist dann, dass SPD und CDU diesen Antrag ablehnen mit der inhaltlichen Begründung "Ein bisschen Schwund ist immer! Das kann den Leuten nicht zugemutet werden, das von Hand zu machen".
Nachtrag: zur Stilblüte 2: Die Anregung der BV Brackel zur Einrichtung einer Bushaltestelle findet sich im Nahverkehrsplan nicht wieder. Lediglich eine Anregung für die Stadtwerke ist im Anhang enthalten. Ob die Stadtwerke dies umsetzen oder nicht steht in den Sternen. Eine Zustimmung der SPD im Umweltaussschuss hätte eine Aufnahme in den Nahverkehrsplan bewirken können. Interessantes Spiel das hier gegen den Verein gespielt wird.
Mittwoch, 4. September 2013
Was ist eigentlich los in Ägypten ?
Ein politischer
Reisebericht jenseits unserer Medienmeldungen
Um es vorweg zu nehmen: Der
folgende Bericht hat sicher keine Allgemeingültigkeit für alle Regionen
Ägyptens, sondern spiegelt das wieder, was ich in den Touristenzentren des
südlichen Sinais – insbesondere in Dahab – erlebt und wahrgenommen habe. In
allen drei Urlauben habe ich im gleichen Hotel ein bisschen außerhalb von Dahab
gelebt.
Ich war nun bereits zum dritten Mal in Dahab. Meine erste Reise unternahm ich vor 5 Jahren im Jahr 2008 als Mubarak noch Präsident von Ägypten war. Damals wurde ich auf dem Weg vom Flughafen Sharm-El Sheik bis nach Dahab (2 Stunden Autofahrt) vier Mal an Straßensperren des Militärs angehalten und musste mich einer Personenkontrolle unterziehen. Auf dem Flughafen Sharm-El Scheik patrouillierten Militärs mit Maschinenpistolen, die aber aufgrund ihrer ruhigen und zurückhaltenden Art erstaunlicherweise kaum bedrohlich wirkten, sondern die Sicherheit auf dem Flughafen garantierten.
Ich war nun bereits zum dritten Mal in Dahab. Meine erste Reise unternahm ich vor 5 Jahren im Jahr 2008 als Mubarak noch Präsident von Ägypten war. Damals wurde ich auf dem Weg vom Flughafen Sharm-El Sheik bis nach Dahab (2 Stunden Autofahrt) vier Mal an Straßensperren des Militärs angehalten und musste mich einer Personenkontrolle unterziehen. Auf dem Flughafen Sharm-El Scheik patrouillierten Militärs mit Maschinenpistolen, die aber aufgrund ihrer ruhigen und zurückhaltenden Art erstaunlicherweise kaum bedrohlich wirkten, sondern die Sicherheit auf dem Flughafen garantierten.
In Dahab selbst waren die
Hotels ausgebucht. Neben den Europäern von denen Deutsche, Briten, Italiener,
Tschechen und Russen die größten Anteile hatten, machten auch viele Ägypter vor
allem aus der Metropole Kairo dort Urlaub. Sowohl Kopten als auch Muslime waren
vertreten. Die Frauen waren hochgeschlossen gekleidet und am Strand gingen die
Frauen in voller Gewandung ins Wasser, um die Blicke der Männer nicht zu
verführen. Das Verhältnis zwischen Ägyptern und den auf dem Sinai lebenden
Beduinen schien allerdings nicht zum Besten bestellt, denn diese wurden in
aller Regelmäßigkeit verscheucht und auf Abstand gehalten, was diese durch
Bemerkungen honorierten, dass der Sinai eigentlich ihr Land sei. Wer Kontakt zu
den Einheimischen wollte, musste diesen schon in eigener Regie aufnehmen. Die
Beduinen erzählten ihrerseits von der großen sozialen Not und von einem
informellen Abkommen mit Israel – wer krank oder schwer verletzt ist, wurde von
den Israelis per Hubschrauber zur Behandlung nach Israel gebracht, medizinisch
behandelt und danach wieder zurückgebracht. Die ägyptische Führung kümmerte
sich um das Wohl der Beduinen dagegen ins keiner Weise.
Vor zwei Jahren, also 2011
war ich zum zweiten Mal dort. Mubarak war gerade erst durch eine Revolution
breiter Teile der Bevölkerung abgesetzt worden. Mursi war zu diesem Zeitpunkt
aber noch nicht Präsident Ägyptens. Das Militär war verschwunden. Auf dem Weg
zwischen Sharm-El Sheik und Dahab winkten die desinteressiert wirkenden
Polizisten an zwei Polizeiposten die Transferbusse einfach durch. Das Hotel war
etwa zur Hälfte ausgebucht. Eine demokratische Revolution war den Europäern
offenbar nicht geheuer und sie zogen andere Reiseziele vor, was sowohl von den im
Hotel arbeitenden Ägyptern als auch von den anwesenden Europäern kaum
verstanden wurde.
Doch dann die erste
Überraschung. Mitten im Hotel gab es gut versteckt in einem als Appartmenthaus
getarntem Gebäude eine koptische Kirche. Der Besitzer des Hotels – ebenfalls
ein Kopte – outete sich nach der Revolution und hoffte auf ein Ende der
bisherigen Repression gegen seine Glaubensgemeinde. Die Verwaltung von Dahab
reagierte entsprechend. Sie richtete einen Busshuttle zwischen dem Ort und dem
Hotel ein – nicht der Touristen wegen, sondern damit in Dahab lebende Kopten
die Kirche im Hotel besuchen konnten, denn im Ort gab es keine Kirche.
Touristen aus Kairo waren kaum vorhanden – offenbar waren die Menschen
beschäftigt. Auch das Verhältnis zwischen Beduinen und Ägyptern schien sich
verbessert zu haben. Anstatt die Beduinen zu verjagen hatte man sich
arrangiert. In geringem Umfang waren Beduinenkinder zum Verkauf von selbst
herstellten Freundschaftsbändchen zugelassen und die Männer warben dafür ihre
Dromedare und Pferde mieten zu können – auch für Ausflüge ins Landesinnere.
Eine gute Einnahmequelle für die Beduinen, die nun ebenfalls vom Tourismus
profitierten.
Und nun im Jahr 2013 war ich
erneut in Dahab. Der zwischenzeitlich demokratisch gewählte Präsident Mursi von
der Muslimbruderschaft war gerade erst vom Militär abgesetzt. Blutige
Auseinandersetzungen mit hunderten Toten in der Region Kairo hatten bereits
stattgefunden. Der Flughafen Sharm-El Sheik wirkte wie eine leere große Halle. Es
gab kaum Touristen. Das Hotel in Dahab war nur zu rund 20% ausgebucht. Auf dem Weg
zwischen Sharm-El Sheik und Dahab gab es wieder verstärkte Polizeistellungen.
Diese winkten aber die Fahrzeuge mit Touristen unbehelligt durch. Dennoch: Die
vor zwei Jahren nur leicht bewaffneten Polizisten waren durch
Maschinengewehrstellungen aufgerüstet worden. Man wollte wohl kein Risiko
eingehen. Entsprechend abgeriegelt war Dahab. Ausflüge ins Innere des Sinai
waren plötzlich aus Sicherheitsgründen verboten.
Überrascht war ich, dass es
mir nicht gelungen ist, einen Gegner des Militärputsches zu finden. Egal wen
man fragte – ob Kopten, Muslime oder Beduinen – alle waren mit der Absetzung
Mursis einverstanden. Die einzigen kritischen Stimmen monierten die
Erschießungen von Muslimbrüdern auf den Demos. Aber Mursi und die Moslembrüder hatten
sich in dieser Region alle Sympathien gründlich verscherzt. Mit dem Putsch
waren die Menschen sehr zufrieden. Nach den Gründen für diese Haltung gefragt
kam zutage, dass Mursi weit davon entfernt war ein Demokrat zu sein und der
Putsch nicht die Demokratie gefährdete, die Mursi ohnehin ad absurdum führte.
Die Verfassungskommission wurde von den Moslembrüdern dominiert und sie nutzen
ihre Mehrheit um zu versuchen aus Ägypten einen islamischen Gottesstaat unter
der Scharia zu machen. Kaum war die Verfassung verabschiedet wurde sie vom
ägyptischen Verfassungsgericht auch gleich wieder einkassiert. Dass die
christlich-orthodoxen Kopten mit einer radikalislamischen Gruppe nichts
anfangen konnten ist geradezu selbsterklärend, aber vor allem die muslimischen
Frauen haben sich inzwischen viele neue Spielräume erkämpft.
Das war auch am Strand zu
sehen. Vorbei die Zeit als ägyptische Frauen in langen Gewändern mehr versuchten
nicht im Meer zu ertrinken als wirklich zu schwimmen. Sie trugen nun nach
westlichem Vorbild Badeanzüge. Und unter den Bediensteten des Hotels gab es
etliche Frauen, die sogar das Kopftuch ablegten und sich gegen spitze
Bemerkungen der Männer sehr erfolgreich zur Wehr setzten. Auf dem Inlandsflug
nach Kairo, wo mein Flieger nach Deutschland auf mich wartete, waren sogar
selbstbewusste muslimische Frauen im Minirock zu sehen. Während des gesamten
Aufenthalts konnte ich nur eine einzige Frau in einer Burka erblicken. Und auch
alleinreisende Frauen gab es nun, die „einfach mal raus“ wollten.
Für das Militär gab es aber
auch ein gewichtiges außenpolitisches Argument Mursi abzusetzen, denn Mursi
hatte zum heiligen Krieg in Syrien aufgerufen. Spätestens zu diesem Zeitpunkt
beschlossen die Militärs die Notbremse zu ziehen. Das war ein Argument, dem ich
immer wieder begegnet bin.
Mittwoch, 13. März 2013
Ein Vermieterhandbuch gegen Nazis ? Skandalöses aus dem Dortmunder Rat
Als
einer meiner Mitarbeiter in der Fraktionsgeschäftsstelle mit der
Idee auf mich zu kam, die Stadt dazu zu veranlassen ein Handbuch
herauszugeben, dass Vermietern und Verkäufern von Immobilien
Ratschläge im Umgang mit potentiellen Neonazis als Mieter oder
Käufer ihrer Objekte gibt, hielt ich dies sofort für eine
gute Idee. Schließlich hat Dortmund ein gewaltiges Naziproblem,
dass nicht mal im Ansatz gelöst ist. Die Erfahrungen aus
Dorstfeld und Huckarde, wo Nazis Ladenlokale bezogen hatten und
versuchten über den Zusammenzug von Nazis aus dem Umfeld eine
ihrer widerlichen „national befreiten Zonen“ zu errichten, die
wir aus anderen Städten - besonders in Ostdeutschland - zur
Genüge kennen, bestärkte unsere Fraktion die Sache
anzugehen. Da sogar der NRW-Innenminister die Dortmunder
Nazikameradschaft für so gefährlich hielt, dass er sie als
verfassungsfeindliche Organisation verboten hat, erschien das
Vorhaben ein unter Demokraten wohl Unstrittiges zu sein – nach
Bekanntwerden der Kontakte der Dortmunder Naziszene zu den
NSU-Terroristen im Untersuchungsausschuss des Bundestages
insbesondere. Ich hätte daher nicht im Traum daran gedacht zu
welcher unglaublichen Geschichte sich die Sache aufblasen würde.
Zur
Ratssitzung am 14.2.2013 stellten wir also den Antrag ein „Handbuch
für Vermieter, Verwalter und Verkäufer - Wie umgehen mit
Anmietungs- und Kaufversuchen Rechtsextremer?“ herauszugeben. Kurz
vor der Sitzung bat mich der stellv. Fraktionsvorsitzende der SPD um
ein Gespräch und bat mich zuzustimmen, den Antrag in den
Ausschuss für Umwelt, Stadtgestaltung, Wohnen und Immobilien
(AUSWI) überweisen zu lassen. Die SPD sei sich noch uneinig über
das Vorgehen, würde den Antrag aber nicht ablehnen wollen. Nach
der Überweisung solle man dann etwas gemeinsames im Sinne der
Zielsetzung unseres Antrages entwickeln, dass die SPD dann ebenfalls
mittragen könne.
Dazu
war ich natürlich gerne bereit. Entsprechend habe ich als erster
Redner zum Thema in der Antragsbegründung den Vorschlag der SPD
aufgegriffen und mich mit einer Überweisung in den AUSWI
einverstanden erklärt. Eigentlich hätte die Ratsdebatte an
dieser Stelle beendet sein können.
Als
Nächstes war jedoch ein älterer Herr von der FDP an der
Reihe, der in seine Rede den ganzen angestauten Hass auf Linke
Politik in Deutschland legte und DIE LINKE auf eine Stufe mit den
Nazis stellte. Dies konnte natürlich so nicht stehen gelassen
werden und eine Ratskollegin der Grünen wies den unpassenden
Vergleich des FDP-Ratsmitgliedes ebenso deutlich zurück. Der
Oberbürgermeister ließ sich in der aufgeheizten Stimmung
dazu hinreißen deutlich zu machen, dass er es für einen
Grundrechtsverstoß halten würde, ein Handbuch wie vor uns
vorgeschlagen herauszugeben, ebenso Ratsmitglieder von der CDU.
Das
Ganze gipfelte in einem Eklat: Der Fraktionsvorsitzende der FDP
stellte den Wortbeitrag der Grünen Ratsfrau in einem Wortbeitrag
wortwörtlich in die Zeit zwischen 1933 und 1945. Auf Bundes- und
Landesebene mussten schon Politiker für weniger zurücktreten.
Nach
der dann endlich abgeschlossenen und im Niveau unterirdischen Debatte
erfolgte dann die besagte Überweisung des Antrages in den AUSWI.
Die Sitzungpause des Rates wurde dann vom Oberbürgermeister
genutzt um den FDP-Chef ins Gebet zu nehmen und zu einer halbherzigen
Entschuldigung gegenüber der Kollegin von den Grünen zu
bewegen.
Entsprechend
des besprochenen Verfahrens verabredeten sich der Kollege von der SPD
und ich eine Woche vor der Sitzung des Ausschusses, um einen
konsensfähigen Antrag vorzubereiten. Allerdings kam dann
krankheitsbedingt eine kurzfristige Absage des Kollegen, so dass wir
den Antrag per E-Mail und telefonisch vorbereiten mussten.
Zwischenzeitlich
meldete sich auch die Ausschussvorsitzende von den Grünen in der
Sorge, dass es eine ähnliche Schlammschlacht wie im Rat geben
könnte, wenn der Antrag unverändert bliebe. Ich informierte
sie daher über den aktuellen Stand der Gespräche und
stellte den Ersetzungsantrag in Aussicht. Diesen wollten die Grünen
nach Aussage der Ausschussvorsitzenden und Fraktionssprecherin dann
mittragen.
Die
Endabstimmung des Antrages stellte sich dann wieder als etwas zäh
heraus. Der Kollege von der SPD hatte mit dem Leiter der
Koordinierungsstelle gegen Rechtsextremismus in Dortmund gesprochen
und wurde so auf eine Broschüre aus Köln aufmerksam –
dort herausgegeben, unter anderem vom kommunalen Wohnungsunternehmen,
vom DGB, ver.di und der NGG. Diese befasste sich mit dem Thema der
Ladenlokale. Die SPD hatte zu diesem Zeitpunkt bereits beschlossen,
dass Thema der Privatwohnungen nicht mit zu verabschieden.
Die
Broschüre war allerdings hervorragend und der Antragsentwurf
wurde dahingehend modifiziert, diese Broschüre zur Grundlage
einer Dortmunder Broschüre zu machen. Zur Absegnung durch seine
Fraktion leitete der SPD-Kollege (immerhin ja stellv.
Fraktionsvorsitzender) den Antragsentwurf an die
SPD-Fraktionsgeschäftsstelle weiter. Dies war bereits am Vortag
der Ausschusssitzung.
In
der Linken Geschäftsstelle hieß es dann auf die
Änderungswünsche der SPD zu warten. Erst am Tage der
Ausschusssitzung – am 13.3.2013 - konnten wir durch wiederholte
Nachfragen in der SPD-Fraktionsgeschäftsstelle dann die Aussage
erhalten, dass die SPD den Antrag gar nicht mittragen wolle, egal in
welcher Formulierung. Über diese Aussage verwundert setzte ich
den stellv. Fraktionschef der SPD in Kenntnis und dieser war mehr als
angefressen und bat mich um Geduld. Er würde das noch regeln.
20
Minuten vor der Sitzung des Ausschusses begegneten wir uns eher
zufällig wieder. Bis dahin hatten wir den Antrag immer noch
nicht ins Gremiensystem eingestellt. Ich bot an, den kompletten
Tagesordnungspunkt zurückzuziehen, wenn es bei der SPD keine
Mehrheit dafür gäbe und wollte den Nazis nicht die
Genugtuung gönnen, dass gegen sie gerichtete Anträge
abgelehnt werden. Doch dieses Angebot hielt der SPD-Kollege für
unnötig, weil er sich schon bei seinen Kollegen durchsetzen
werde. Wir stellten den Antrag daher ein und gaben ihn als
Tischvorlage in die Sitzung.
In
der Ausschusssitzung schließlich versuchte die CDU zunächst
den Tagesordnungspunkt komplett absetzen zu lassen. Ein kurzer
Blickkontakt zur SPD - Kopfschütteln zum Ansinnen der CDU. Zu
diesem Zeitpunkt musste ich davon ausgehen, dass der Kollege Erfolg
hatte. Die Ausschussvorsitzende der Grünen wies auf unsere
Tischvorlage hin und erklärte, dass damit wohl die Bedenken der
Ratssitzung ausgeräumt wären. Der Antrag bleib damit auf
der Tagesordnung.
Nach
Aufruf des Tagesordnungspunktes stellte ich den Antrag in aller Kürze
vor. Darauf meldete sich der Vorsitzende der SPD-Ausschussfraktion zu
Wort und erklärte, dass die SPD den Antrag ablehnen werde, weil
sie rechtliche Bedenken habe. Daraufhin meldete sich die
Ausschusssprecherin der Grünen und erklärte Ähnliches
(nicht ohne damit Bekundungen von KollegInnen einzuholen, die deren
Bauchschmerzen mit dieser Entscheidung erklärten). Im Ergebnis
war DIE LINKE die einzige Fraktion, die diesen Antrag unterstützte,
während SPD, CDU, Grüne und FDP/Bürgerliste zusammen
mit dem Vertreter der NPD gegen den Antrag stimmten.
Freitag, 8. Februar 2013
Hinterzimmerspielchen gegen Geringverdiener
Absprache von SPD und CDU zur Privatisierung der Gebäudereinigung geplatzt
Im Personalausschuss am 31.1. platzte eine
Absprache zwischen SPD und CDU aus den Haushaltsberatungen 2013 die
Gebäudereinigung der Stadt Dortmund komplett zu privatisieren. Anlass
der Debatte war die Beratung eines gegenläufigen Antrages der
LINKSFRAKTION, die Gebäudereinigung vollständig in die Regie der Stadt
Dortmund zurückzuholen. Derzeit wird die Hälfte der Gebäudereinigung in
der Regie der städtischen Immobilienwirtschaft durchgeführt und die
andere Hälfte durch private Reinigungsfirmen.
Der Antrag der LINKEN hatte eine Aussage des
Personalberichtes für das Jahr 2011 (im Oktober 2012 dem
Personalausschuss vorgestellt) zur Grundlage, nach der eine
Gebäudereinigung in der Hand der Kommune um 30% günstiger sei als die
Fremdvergabe an Private. Dem gegenüber stand eine Ratsvorlage des
Dezernates Lürwer (CDU) nach der eine komplette Privatisierung rund 1,5
Mio. Euro günstiger für den städtischen Haushalt wäre.
In der Debatte des Personalausschusses stellte sich
heraus, dass die Aussage des Personalamtes durch einen redaktionellen
Fehler zustande kam und sich der 30% Kostenvorteil ausschließlich auf
den Bereich der Arbeitnehmerüberlassung (Leiharbeit) bezieht. Allerdings
stellte sich auch heraus, dass die Ratsvorlage aus dem Hause Lürwer
tendenziös gestaltet und geleitet war von dem Interesse, dem Rat eine
Zustimmung zur Privatisierung abzuringen. Eine Einbeziehung von
vermehrten Kosten der Unterkunft für die Kommune wurde beispielsweise
vergessen.
Folgerichtig teilte OB Sierau der CDU-Fraktion in
öffentlicher Sitzung mit, dass die getroffene Vereinbarung nicht mehr
gültig sei und die SPD nun beim Status Quo von 50% Eigenreinigung und
50% Fremdreinigung bleiben werde.
Der Antrag der LINKEN aus Rekommunalisierung wurde
allerdings von allen anderen Fraktionen abgelehnt. Dies ist besonders
bedauerlich, da viele private GebäudereinigerInnen von ihrem Lohn nicht
leben können, sondern trotz Arbeit von Transferleistungen wie Hartz IV
abhängig sind. Von den schlechteren Arbeitsbedingungen ganz zu
schweigen.
Montag, 26. November 2012
Dortmunder Rat weist Initiative zur Vermögenssteuer zurück
SPD-Fraktion blamiert sich bei Abstimmung zur Vermögenssteuer
Gegen die Stimmen von DIE LINKE und Bündnis90/Die
Grünen hat der Dortmunder Rat es abgelehnt, der Initiative
„Vermögenssteuer jetzt !“ beizutreten, mit der Druck auf die
Bundesregierung entwickelt werden soll, wieder eine Vermögenssteuer zu
erheben. Von CDU und FDP war aufgrund ihrer programmatischen
Ausrichtung zugunsten der Besserverdienenden in der Gesellschaft nichts
anderes als eine Ablehnung zu erwarten.
Die Ablehnung der SPD-Fraktion war aber eher
überraschend, denn damit fällt die Ratsfraktion der SPD im Vorfeld der
Bundestagswahlen ihrer Bundespartei programmatisch in den Rücken.
Sowohl Parteichef Sigmar Gabriel als auch die Generalsekretärin Andrea
Nahles gehören schließlich zu den Erstunterzeichnern der Kampagne,
ebenso wie Oskar Lafontaine und Sarah Wagenknecht oder ver.di-Chef
Frank Bsirske. Entsprechenden Unmut in den Reihen der SPD-Fraktion gab
es daher über das von der Fraktionsspitze vorgetragene
Abstimmungsverhalten und ein knappes Viertel der SPD-Ratsmitglieder
stimmte gegen ihre eigene Fraktionsspitze dem Antrag der LINKEN zur
Vermögenssteuer zu.
Zunächst hatte die finanzpolitische Sprecherin der
SPD, Jutta Starke, noch versucht eine Abstimmung über den Antrag zu
verhindern, indem sie DIE LINKE darum bat den Antrag zurück zu ziehen.
Dies mit der Argumentation, dass die Kommune keinen Einfluss auf die
Bundesgesetzgebung habe. DIE LINKEN ersparten der SPD-Fraktion die
Peinlichkeit gegen eine von den Bundesparteien der SPD, der Grünen und
der LINKEN geforderte Vermögensabgabe abzustimmen allerdings nicht.
Aus NRW sind inzwischen mehrere Städte wie
Duisburg, Herne, Waltrop oder Iserlohn der Kamapne beigetreten. Darüber
hinaus arbeiten die Landesregierungen aus NRW, Rheinland-Pfalz,
Hamburg und Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit dem Deutschen
Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) an der Ausgestaltung einer
künftigen Vermögenssteuer.
Samstag, 1. September 2012
Wiederholungswahlen in Dortmund oder wenn Demokratie im Endstadium ankommt
Zuerst darf ich mich bei allen
Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfern bedanken. Wir haben
großartige Unterstützung des Landesvorstandes und vieler
GenossInnen sowohl aus unserem Kreisverband als auch aus anderen
Kreisverbänden erfahren, ohne die der Wahlkampf auf diesem
Niveau gar nicht durchführbar gewesen wäre. 100.000
Knallrot-Wahlkampfzeitungen und 32.000 Bürgerbriefe sind nur 2
Zahlen aus dem Wahlkampf. Darüber hinaus zeigen eine
Veranstaltung der Fraktion vor Ort mit Katja Kipping und eine
Veranstaltung des Dortmunder Kreisverbandes mit Oskar Lafontaine die
große Unterstützung auf.
Man kann es aber nicht beschönigen
– die Wiederholungswahlen in Dortmund waren eine klare Niederlage
für DIE LINKE. Gegenüber den Landtagswahlen sind noch
einmal 3000 Stimmen verlorengegangen und gegenüber der
Kommunalwahl 2009 sogar rund 6000 Stimmen. Da tröstet es auch
nicht, dass aufgrund der katastrophal niedrigen Wahlbeteiligung von
nur 32,7% (14% weniger als 2009) alle angetretenen Parteien ebenfalls
Verluste bei den absoluten Stimmen hatten. (SPD -14.402 / CDU -19.689
/ Grüne -6.796 / LINKE -6.310 / FDP -9.367 / Bürgerliste
-1.305 / Nazis -2.000 / Linkes Bündnis (DKP/SDAJ) -401)
Es ergibt sich ein prozentuelles
Wahlergebnis von SPD 43,7% (+5,9) / CDU 27,2 % (-1,5) / Grüne
17,2% (+1,8) / LINKE 3,5% (-2,0) / FDP 2,6% (-3,7) / Bürgerliste
1,9% (-0,1) / NPD 1,9% (-0,4, 2009 hatten NPD und DVU 0,8% und 1,5%)
/ FBI 1,2 % (+0,1) / Linkes Bündnis (DKP+SDAJ) 0,5% (-0,1).
Daraus leitet sich für den Rat,
bei 10 Ausgleichsmandaten weniger als 2009, folgende Sitzverteilung
ab: SPD 38 + OB (+1) / CDU 23 (-5) / Grüne 15 (0) / LINKE 3 (-2)
/ FDP 2 (-4) / Bürgerliste 2 (0) / NPD 2 (0, seit 2009 hatten
NPD und DVU je 1 Sitz) / FBI 1 (0)
Für DIE LINKE ist der
Fraktionsstatus im Rat damit knapp gerettet worden.
Bei den Bezirksvertretungswahlen sind
die Verluste ähnlich. Allerdings haben wir von den 13
BezirksvertreterInnen aus 2009 nur 2 verloren. Selbst der
Fraktionsstatus in den Innenstadt-Nord konnte erhalten werden, wo
allerdings die Wahlbeteiligung mit 16,7% noch einmal erheblich
niedriger lag als im Stadtdurchschnitt.
Insgesamt also eine verlorene Wahl –
der große Wahlbetrüger SPD von 2009, wegen dem überhaupt
die Wiederholungswahl stattfand, ist gestärkt aus der Wahl
hervorgegangen. Die 8000 Mitglieder der Dortmunder SPD und die gute
Vernetzung in den Vereinen, Verwaltungen und Verbänden haben
eine Mindestmobilisierung erzeugt, der die anderen Parteien aufgrund
ihrer Größe (CDU 3000 Mitglieder, Grüne und Linke bei
300) nichts Vergleichbares entgegen setzen konnten. Wenn nur noch die
Mitglieder und ihre Freunde wählen gehen und sonst keiner mehr
an der Wahl teilnimmt, dann gewinnt derjenige, mit der größten
Mitgliedschaft haushoch. Und das unabhängig von der
Vorgeschichte.
Für DIE LINKE zeigt sich dies auch
in der Wählerbefragung des Amtes für Statistik und Wahlen.
Zusammen mit Grünen und der FDP verfügten unsere Wähler
über das höchste Bildungsniveau aller Parteien. Das heißt
im Umkehrschluss aber, dass Arbeiter oder Erwerbslose im großen
Stil nicht zur Wahl gegangen sind und nur noch linksintellektuelle
Wählerschichten oder Beschäftigte der Stadtverwaltung im
Dortmunder Wahlkampf erreicht wurden.
Ein Thema mit durchschlagender Wirkung
war das Thema des gescheiterten Versuches von Jamaika zwei
Stadtbezirke im Norden Dortmunds aufzulösen. SPD und LINKE
hatten seinerzeit die Auflösung gemeinsam verhindert. Offenbar
wurde dieser Erfolg von den BürgerInnen aber einseitig
ausschließlich der SPD zugeschrieben. Während die SPD in
den 5 durch die Auflösung betroffenen Stadtbezirken Zugewinne
von rund 10% erzielen konnten und nun in 3 Bezirksvertretungen die
absolute Mehrheit bilden, hatten wir auch dort die 2% Verluste wie im
sonstigen Stadtgebiet.
Wenig überraschend ist leider,
dass auch in Dortmund wieder erheblich weniger Frauen DIE LINKE
wählen als dies Männer tun. In der Altersgruppe 25-44 Jahre
zeigt sich zudem ein deutlich unterschnittlicher Wählerzuspruch,
während wir bei den Erstwählern und bei allen Altersgruppen
oberhalb von 45 Jahren überdurchschnittliche Werte erzielt
haben.
Interessant ist auch der Wählerzuspruch
nach dem Geburtsort. Gebürtige DortmunderInnen wählen DIE
LINKE deutlich unter dem Durchschnitt. Deutsche, die in anderen
Regionen Deutschlands geboren wurden, wählen dagegen DIE LINKE
überdurchschnittlich oft und MigrantInnen wählen uns sogar
doppelt so stark wie im Durchschnitt.
Eine gewisse Aussagekraft für
zukünftige Wahlkämpfe kann die Frage haben, welcher
Wahlaspekt für die Wahlentscheidung die wichtigste Rolle hatte:
Bundespolitik, Landespolitik, Kommunalpolitik oder der/die
KandidatIn. Beim Wahlsieger SPD antworten die WählerInnen, dass
die Landespolitik die größte Bedeutung für ihre
Wahlentscheidung hatte und die Kommunalpolitik sowie die
aufgestellten KandidatInnen die geringste Bedeutung. Es scheint also
so, dass angesichts der Haushaltslüge die Menschen trotzdem SPD
gewählt haben um die Regierung Kraft nicht zu beschädigen,
obwohl sie von der lokalen SPD deutlich weniger überzeugt sind,
als das Wahlergebnis aussagt.
Bei der LINKEN ergibt sich ein
spiegelverkehrtes Bild, auch wenn natürlich nicht gesagt werden
kann, wie denn die Erwerbslosen und Arbeiter die nicht zur Wahl
gegangen sind, diese Fragen beantworten würden: Unsere
WählerInnen haben der Landespolitik jedenfalls die geringste
Bedeutung für ihre Wahlentscheidung beigemessen. Die
Bundespolitik hatte dagegen einen deutlich überdurchschnittlichen
Stellenwert für die Wahlentscheidung. Die Kommunalpolitik hatte
Bedeutung in gleicher Größenordnung wie der
Wählerzuspruch. Die weitaus größte Bedeutung für
die Wahlentscheidung unserer Wähler hatten allerdings die
aufgestellten KandidatInnen. Und das obwohl wir genauso wie im
vergangenen Landtagswahlkampf keinen Personenwahlkampf gemacht haben,
sondern einen Themenwahlkampf. Diese Themen waren auch von der
Bevölkerung angenommen worden, wie eine Umfrage des Dortmunder
START-Institutes gezeigt hatte. Kinderarmut hatte Platz 1 der
wichtigen Themen. Mehr als 90% fanden das Wahlkampfthema
Rechtsextremismus wichtig. Aber wegen der richtigen Themenauswahl
alleine, wird man offensichtlich nicht gewählt. Dies hat die
Landtagswahl mit der Dortmunder Kommunalwahl gemeinsam.
Ein Gegenbeispiel war der Sonderfall
Wickede. Hier konnten die Grünen nicht antreten, weil sie bei
der Kandidatenaufstellung einen Fehler gemacht hatten.
Zufälligerweise war dies ausgerechnet mein Wahlkreis, und den Elfmeter konnte ich als Umweltpolitischer Sprecher meiner Fraktion leicht und locker verwandeln. Hier ist es über eine Verknüpfung der
Umwelt- (Schnellstrassenbau/Flughafen) und Sozialthemen
(Alleinerziehende und Hartz IV, Wohnungspolitik) mit mir als Kandidaten
gelungen die Stimmen der Grünen nahezu vollständig auf die
Linke zu ziehen und die SPD um ~10% im lokalen Ergebnis gegenüber
den sonstigen Umfeld zu drücken. Im Spitzenwahllokal ergab sich
dadurch ein Wahlergebnis von 23,4%. Für die Wahlkampfstrategie
2014 ist sicher aus der Wahl in Dortmund zu lernen, dass eine
Mischung von Themen und Personen notwendig ist. Ohne die Darstellung
der Menschen die für unsere Themen glaubwürdig,
kontinuierlich und lokal verankert einstehen, sind Wahlen
offensichtlich nicht zu gewinnen. Aber sie sind zu gewinnen und das
sollte uns Hoffnung machen.
Freitag, 29. Juni 2012
Fiskalpakt - das Ende der Demokratie
Außerhalb der Reihe für die dieser Blog eigentlich gedacht ist, halte ich es für nötig, eine Rede von Sarah Wagenknecht zu verlinken.
http://www.youtube.com/watch?v=A7i6gwDSTyo&feature=youtu.be&a
Hartz IV ist schlimm. Agenda 2010 ist schlimm. Der Betrug mit der Riesterrente im Auftrag der Versicherungskonzerne ist schlimm. Das korrupte Verhalten der Bundesregierung bei der Steuerentlastung für Hoteliers war offensichtlich.
Das was jetzt mit dem Fiskalpakt und dem ESM geschieht ist eine Katastrophe. Wir werden herabgestuft auf finsterste Zeiten des Frühkapitalismus. Das Grundgesetz wird Makulatur. Die Demokratie ist mit dieser Entscheidung faktisch abgeschafft. Ein Trauerspiel ...
http://www.youtube.com/watch?v=A7i6gwDSTyo&feature=youtu.be&a
Hartz IV ist schlimm. Agenda 2010 ist schlimm. Der Betrug mit der Riesterrente im Auftrag der Versicherungskonzerne ist schlimm. Das korrupte Verhalten der Bundesregierung bei der Steuerentlastung für Hoteliers war offensichtlich.
Das was jetzt mit dem Fiskalpakt und dem ESM geschieht ist eine Katastrophe. Wir werden herabgestuft auf finsterste Zeiten des Frühkapitalismus. Das Grundgesetz wird Makulatur. Die Demokratie ist mit dieser Entscheidung faktisch abgeschafft. Ein Trauerspiel ...
Sonntag, 3. Juni 2012
Der große Knall ist ausgeblieben – Chance für einen Neuaufbruch der LINKEN (Ein Kommentar)
Nach der inzwischen mehrjährigen
Auseinandersetzung zwischen Lafontaine und Bartsch, die zum Parteitag
einen weiteren Höhepunkt fand, besteht nun eine realistische
Chance für einen Neubeginn der LINKEN ist Ost und West. Die
Anhänger Lafontaines atmen erleichtert auf – ein befürchteter
Durchmarsch des Flügels rund um das „Forum Demokratischer
Sozialismus“ (FDS), dass überwiegend in Ostdeutschland seinen
Schwerpunkt hat, ist ausgeblieben. Auch Dietmar Bartsch selbst –
bis zuletzt unbelehrbar hinsichtlich seiner fatalen Wirkung auf den
Zusammenhalt der Partei – wurde im Wahlgang gegen den neuen
Parteivorsitzenden Riexinger von den Delegierten zurückgewiesen.
Bartsch selbst kann für sich in
Anspruch nehmen, eine erneute Kandidatur von Lafontaine verhindert zu
haben, zum Schaden der Partei wie der Ex-Vorsitzende Klaus Ernst noch
einmal mit Blick auf Lafontaines Wirkung in der klassischen
SPD-Wählerschaft betonte. Damit hat Bartsch zwar bei vielen eher
linkeren Strömungen der Partei und vielen strömungsunabhängigen
Mitgliedern sein Ansehen endgültig verspielt, aber innerhalb
seines eigenen Lagers den Gesichtsverlust trotz der
Abstimmungsniederlage vermieden. Der Bartsch-Flügel wird sich
bezogen auf die Person Lafontaine nun damit beruhigen können,
einen Störfaktor im Verhältnis zur SPD losgeworden zu sein.
Außerdem stellt dieser Flügel den Bundesgeschäftsführer
und den Schatzmeister der Partei, hat also mit dem
Karl-Liebknecht-Haus mit seinem Verwaltungsapparat die Infrastruktur
der Partei weiterhin unter Kontrolle und auch im erweiterten
Parteivorstand etliche Weggefährten wie z.B. Klaus Lederer,
Hallina Wawzyniak oder Katina Schubert unterbringen können.
Die Anhänger des sogenannten
Dritten Weges mit den Spitzenkandidaturen von Katja Kipping und
Katharina Schwabedissen können in der Summe sicher ebenso
zufrieden sein. Zwar wurde die NRW-Landeschefin und Spitzenkandidatin
der verkorksten NRW-Wahl zwar munter durchgereicht. Sie stellen mit
Kipping aber nun die Vorsitzende und haben mit Caren Lay und Jan van
Aken gleich zwei weitere Leute in den geschäftsführenden
Vorstand entsendet, von denen allerdings nur van Aken in dieser
promininenten Stellung wirklich neu ist. Sie werden nun daran
gemessen werden, inwieweit sie ihren Ankündigungen für
einen neuen politischen Stil gerecht werden. Dieser neue Stil stellt
die eigentliche Chance dar, die bisherigen Flügelkämpfe
aufzubrechen und trotzdem dem Erfurter Programm zur Geltung zu
verhelfen.
Auf letzteres wird alleine schon der
Gewerkschaftsflügel um Bernd Riexinger und Axel Trost achten,
aber nicht zuletzt auch Sarah Wagenknecht, die erneut stellv.
Parteivorsitzende wurde und deren innerparteilischer Einfluss nach
ihrem erfolgreichen Vorschlag der Doppelspitze Kipping/Riexinger eher
zunehmen dürfte. Der neue stellv. Vorsitzende Trost wiederum als
langjähriger WASG-Weggefährte von Klaus Ernst zeigt, dass
die Gewerkschafter ihre bisherige Position durchaus gehalten haben.
Das unterstreicht auch die Wiederwahl von Michael Schlecht und die
erstmalige Wahl von Ex-Fraktionschef Wolfgang Zimmermann aus NRW in
den Parteivorstand, die wie Riexinger beides Verdi-Funktionäre
sind. Riexinger wiederum weist über die reine Gewerkschaftslinie
allerdings deutlich hinaus – als Mitorgansisator der Proteste gegen
das Bahnhofsprojekt Stuttgart21 hat er gezeigt, dass er in der Lage
ist außerparlamentarischen Widerstand sehr geschickt und
effektiv zu mobilisieren. Und genau das braucht DIE LINKE nun.
Alles in allem gibt es also anders, als
manche Medien es darzustellen versuchen keine echten Verlierer. Das
es auch keinen klaren Gewinner gibt - von den Medien und
konkurrierenden Parteien als Indiz für einen Zerfall der Partei
gewertet - ist dagegen positiv zu sehen. Es hat keiner der Flügel
gewonnen. Dafür hat die gesamte Partei gewonnen. Der Neuanfang
sollte nun die gesamte Partei erfassen und die personellen
Strömungskämpfe durch eine solidarische inhaltliche Debatte
ersetzen.
Mittwoch, 23. Mai 2012
Zwischenbilanz: DIE LINKE im Dortmunder Rat
Nach der Auflösung des Rates der
Stadt Dortmund ist es Zeit für eine kleine Zwischenbilanz der
Tätigkeit unserer Ratsfraktion in den vergangenen 2 ½
Jahren. Eine Vielzahl von Anträgen und Initiativen sind von
unserer Fraktion gestartet worden und es ist bemerkenswert, dass eine
fünfköpfige Fraktion in einem Rat mit 97 Mitgliedern immer
wieder große Erfolge hatte.
Nicht zuletzt ist das Zustandekommen
der Wahlwiederholung einer dieser Erfolge. 2009 hatte der damalige
Oberbürgermeister Langemeyer (SPD) sowohl den Stadtrat als auch
die Öffentlichkeit belogen und über ein gewaltiges
Haushaltsloch getäuscht, das er in seiner Amtszeit aufgebaut
hatte. Einen Tag nach der Kommunalwahl verhängte die damalige
Kämmerin eine Haushaltsperre. Nur eine Woche nach der
Kommunalwahl haben wir Linken als erste Partei beantragt, die Wahlen
für ungültig zu erklären, weil die Täuschung des
Oberbürgermeisters eine Unregelmäßigkeit bei der
Vorbereitung der Wahlen nach dem Kommunalwahlgesetz darstellt. Diese
Haltung der Linken wurde bis in die letzte Instanz gerichtlich
bestätigt, nachdem sich zwar eine Ratsmehrheit und die
Bezirksregierung dieser Haltung anschlossen, aber 10
SPD-Ratsvertreter Klage gegen eine Wiederholung der Wahl eingereicht
hatten.
Alle Wahlversprechen der
Regierungsparteien aus dem Kommunalwahlkampf waren angesichts des
Haushaltsloches hinfällig. Die SPD hatte zusammen mit den Grünen
den ohnehin unterfinanzierten und durch Land und Bund ausgebluteten
Stadthaushalt mit überteuerten Leuchtturmprojekten gründlich
vor die Wand gefahren. Nach dem dramatischen Zerwürfnis der
Rot-Grünen Koalition und dem folgendem Zusammenwirken einer
großen Haushaltskoalition aus CDU und SPD viel der Linken die
Rolle einer Fundamentalopposition gegen soziale Kürzungen in
Dortmund zu. Wir waren das soziale Gewissen des Rates der Stadt
Dortmund und haben dem Kämmerer und den Akteuren der anderen
Parteien ein ums andere Mal die Schamesröte ins Gesicht
getrieben und auch unseriöse Finanzierungsmodelle wie
Private-Public-Partnership (PPP) offengelegt. Nicht zuletzt steht die
Umsetzung unseres erfolgreich im Rat beschlossenen Antrages alle
1-Euro-Jobs in der Nordstadt in sozialversicherungspflichtige
Arbeitsstellen umzuwandeln, durch die Verwaltung immer noch aus.
Umgesetzt wurde dagegen der Erhalt der bestehenden Wirtschaftsküchen
bei FABIDO, wo wir die Kürzungspläne stoppen konnten. Für
die Jugendfreizeitstätten konnten wir festschreiben, dass im
Falle einer Ausgliederung weiterhin der Tarifvertrag des öffentlichen
Dienstes einzuhalten ist. Damit ist eine Privatisierung der
Jugendfreizeitstätten unwirtschaftlich geworden und sie bleiben
Teil der kommunalen Daseinsvorsorge.
Zum großen Showdown in den
Auseinandersetzungen um Kürzungen in der Stadt kam es, als mit
Huckarde und Eving auf eine gemeinsame Initiative von CDU und Grünen
gleich zwei Stadtbezirke aufgelöst werden sollten. Einer
Jamaika-Koalition stand ein Rot-Rotes Minderheitsbündnis zum
Erhalt der Stadtbezirke gegenüber – dennoch konnte der
Kahlschlag knapp mit nur einer Stimme im Rat verhindert werden. SPD
und Linke waren sich sicher nie so nah wie in diesem Moment, der eine
Sternstunde der kommunalen Demokratie in der gesamten bisherigen
Wahlperiode darstellte.
Doch SPD und Linke und waren sich nie
so fern wie beim Thema Sozialticket. Hier konnten wir uns gegen die
Rotstiftfraktionen nicht behaupten. Das Dortmunder Sozialticket für
Bedürftige zum Preis von 15 Euro wurde eingestellt und durch ein
Firmenabo zum Preis von 32 Euro ersetzt. Zu viel für die
Empfänger von Sozialleistungen – von 24000 Nutzern blieben
innerhalb kürzester Zeit keine 7000 Nutzer mehr übrig. Ein
Armutszeugnis in einer Stadt die in einer Studie des deutschen
paritätischen Wohlfahrtsverbandes das zweithöchste
Armutsrisiko aller deutschen Großstädte aufweist.
Doch nicht nur im sozialpolitischem
Bereich haben wir Akzente gesetzt. Nicht Fehlen darf in einer
Zwischenbilanz die Annahme unseres Begleitantrages zum
STEAG-Geschäft. Wir haben hier die Pflöcke für eine
weitere ökologische und soziale Entwicklung hin zum größten
kommunalen Energieerzeuger Deutschlands gesetzt. Uns ist es zu
verdanken, dass die Kommunen nicht in das Geschäftsfeld
Atomwirtschaft einsteigen und die STEAG-Beteiligung am atomaren
Zwischenlager in Ahaus abgestoßen werden muss. Der Aufsichtsrat
der STEAG hat diesen Beschluss inzwischen nachvollzogen. Auch geht es
auf unser Konto, dass der Rat der Stadt Dortmund die rot-grüne
Landesregierung aufgefordert hatte, den Atomtransporten in NRW
endlich ein Ende zu machen. Genauso ist es unser Erfolg, dass ein
kommunaler STEAG-Beirat einzurichten ist, der ein Wechselspiel
zwischen Politik, Wissenschaft, Gewerkschaften und Umweltverbänden
mit dem Konzern STEAG überhaupt erst ermöglicht.
Wesentlichen Anteil hatte DIE LINKE an
der Aufklärung des größten PCB-Skandals der
Bundesrepublik in den letzten Jahrzehnten, der sich am Dortmunder
Hafen abgespielt hat. Wir waren diejenigen, die Envio als Verursacher
2009 in die Diskussion überhaupt erst eingebracht haben und
lassen bis heute nicht locker den Hergang, der zur Vergiftung von
mehr als 300 Arbeitnehmern geführt hat, ans Licht der
Öffentlichkeit zu bringen.
Ein Linkes Kernthema ist seit jeher die
Bekämpfung faschistischer Umtriebe. Das gilt vor allem
außerparlamentarisch, aber auch im Rat der Stadt. Aufgrund
unserer Initiative bewirbt sich Dortmund beispielsweise als
Mitgliedsstadt bei der Unesco-Initiative „Stadt gegen Rassimus“.
Die im Land von der ehemaligen Linksfraktion durchgesetzte
Opferberatungsstelle Backup stellt einen großen Schritt nach
vorne dar, sich nicht nur mit den Tätern zu beschäftigen,
sondern auch den Opfern mehr Hilfen, Anerkennung und Zuwendung zuteil
werden zu lassen. Durch das Wirken der Linken Ratsfraktion hat sich
in dieser Wahlperiode auch im Rat ein Stimmungswandel vollzogen. Gab
es 2009 noch Verharmlosungsdebatten in Bezug auf die Dortmunder
Neonaziszene ist inzwischen im Bewusstsein einer Ratsmehrheit und der
Verwaltung angekommen, dass Dortmund hier ein massives Problem hat.
Dieser Bewusstseinswandel wirkt sich bis weit in die
Zivilgesellschaft aus.
Eine Liste mit Verbesserungen und
Abwehrerfolgen bei Kürzungsplänen ließe sich sicher
noch auf mehrere Seiten ausdehnen. Ob es in der Wohnungspolitik die
Vorkaufsrechtssatzungen in Westerfilde oder Lanstrop waren, ob es um
die Sanierung der LEG-Siedlung in Wickede ging oder der Schutz des
Pleckenbrinksees, ob es der Erhalt der Schulbusse für die
Dortmunder Förderschulen war, ob es die Abwehrversuche bei der
Schließung von Schulen waren, ob es um ein warmes Mittagessen
an der Anne-Frank-Gesamtschule und die Gebäudesanierung ging, ob
es um Verbesserungen im Nordstadtkonzept der Stadt ging, oder ob es
um den Schutz von Freiraumflächen am Groppenbruch oder im
Dortmunder Osten geht – überall hatten und haben die Linken
ihre Finger mit im Spiel und verändern die Dinge zum positiven.
Samstag, 28. April 2012
PCB – der Stoff aus dem Alpträume sind
2006 wurden erstmals PCBs
im Grünkohl der Kleingärten in der Nordstadt gefunden.
Ursache zunächst unbekannt. Die Behörden verdächtigten
offiziell die Schrottverwerter im Hafen. Im Nov. 2009 konnte DIE
LINKE im Umweltausschuss erstmals einen Zusammenhang zwischen Envio
und den erhöhten PCB-Werten herstellen. Danach ging alles ganz
schnell: Blutproben, Bodenproben und 360 vergiftete Arbeiter,
Angehörige und Anwohner. Der bundesweit größte
PCB-Skandal war aufgedeckt. Bereits in der ersten Jahreshälfte
2010 wurde Envio stillgelegt.
Wie sehr der PCB-Skandal ein Kleinkrieg
einzelner Politiker und Journalisten, die hier richtige
Detektivarbeit leisteten, mit den Behörden und dem Rest der
Politik war, ist aber nur wenig bekannt. Dazu einige Fakten aus
linker Sicht:
1) Einen Monat nach Bekanntwerden eines
Zusammenhangs zwischen Envio und der PCB-Belastung am Hafen erteilte
die Dortmunder Wirtschaftsförderung und der Landesumweltminister
Envio den Ökoprofil-Umweltpreis. Proteste der Linksfraktion im
Stadtrat führten zu einer Rücknahme der Preisvergabe.
2) DIE LINKE hat Anfang 2010
Blutuntersuchungen bei Envio-Arbeitern angeregt. Das Gesundheitsamt
wiegelte ab: Das sei Panikmache. Kurz darauf ließen sich zwei
Arbeiter privat untersuchen. Ergebnis: gewaltige PCB-Werte. Das
Gesundheitsamt musste nun im großen Stil untersuchen. Panne bei
den Untersuchungen: Rund die Hälfte der Blutproben waren falsch
etikettiert und damit wertlos. DIE LINKE bestand erfolgreich auf
einer Wiederholung der Untersuchung.
3) Auf Druck der Linksfraktion musste
die Bezirksregierung 2010 eingestehen, dass PCB-Kondensatoren aus
alten sowjetischen Raketenbasen in größerer Anzahl zwar in
Kasachstan abgeschickt wurden, aber nicht vollständig in
Dortmund angekommen sind. Verbleib bis heute unbekannt.
Genehmigungsbehörde: Bezirksregierung Arnsberg. Polen als
Transitland hatte gegen die Transporte protestiert. Der kasachische
Umweltminister sitzt wegen der Geschäfte mit Envio im Zuchthaus.
4) Der umweltpolitische Sprecher der
Linken Ratsfraktion erstattet Anzeige gegen die Bezirksregierung
wegen des Verdachtes auf Beihilfe zu einer Umweltstraftat und zur
Körperverletzung. Die Ermittlungen werden ein Jahr später
ergebnislos eingestellt. Daraufhin stellt DIE LINKE im Juli 2011
Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Staatsanwaltschaft Dortmund, weil
genehmigungspflichtige Anlagen mit Duldung der Bezirksregierung
jahrelang ungenehmigt betrieben wurden. Anfang 2012 teilt die
Generalstaatsanwaltschaft in einem ausführlichen Brief mit, dass
das Verwaltungsrecht die Ermessensentscheidungen der Beamten vor
Strafverfolgung schütze. Eine Verfolgung nach dem Dienstrecht
sei möglich, aber nicht Sache der Staatsanwaltschaft. Eine
dienstrechtliche Innenrevision des Regierungspräsidenten (SPD)
hatte für die Beamten im Fall Envio keine nennenswerten Folgen.
5) DIE LINKE erwirkte 2011 gegen den
Widerstand der Bezirksregierung einen Beschluss des
Umweltausschusses, dass die Stadtverwaltung die Berufsgenossenschaft
zu Untersuchungen von LKW-Fahrern im Anlieferverkehr von Envio
veranlassen soll. Die Verwaltung weigert sich bis heute den Beschluss
umzusetzen. Ehemalige Envio-Arbeiter berichten, dass diese LKW-Fahrer
beim Entladen der PCB-Materialien beteiligt waren und teilweise sogar
in verseuchten Hallenteilen übernachtet haben.
6) Als Konsequenz aus dem Skandal
forderte DIE LINKE 2012 mehr Personal im Umweltamt. Die
Wirtschaftsförderung wiegelt ab und verheddert sich im
Datensumpf. Ergebnis: Es kommt heraus, dass die Verwaltung bei der
Vergabe des Erbbaurechtes an Envio 2008 den Stadtrat nicht korrekt
über bereits bekannte Altlasten informiert hat.
7) DIE LINKE deckt 2012 eine
Beteiligung des Konzerns ABB am PCB-Skandal auf und erwirkte gegen
den Widerstand der Ratsfraktionen von CDU, SPD und FDP/Bürgerliste
die Einleitung eines ordnungsrechtlichen Verfahrens durch die Untere
Bodenschutzbehörde wegen Verstößen gegen das
Landesbodenschutzgesetz. Geldstrafe wahrscheinlich.
8) 2010 beantragte DIE LINKE im Rat
eine Prüfung durch das Rechtsamt mit dem Ziel das Firmenvermögen
von Envio für einen Opferentschädigungsfonds
sicherzustellen. Alle anderen Ratsfraktionen lehnten das ab. 2012
beteiligt sich DIE LINKE an der Auflage eines privaten Opferfonds, um im Prozess gegen Enviochef Neupert ein Gegengutachten zu erstellen.
Mittwoch, 4. April 2012
Spießrutenlaufen für bessere Arbeitsentlohnung in der Nordstadt
Bei schönem Wetter hatten sich im Sommer 2010 Frau Hetmeier (SPD) und Utz Kowalewski (DIE LINKE) zum Kaffee im Rathauskaffee getroffen. Es standen schließlich die Beratungen zum Nordstadt-Konzept auf der Tagesordnung der Gremien. Die Vorsitzende der SPD-Nord wollte gerne den Linken Antrag zum Trinkraum loswerden. Der Fraktionsvorsitzende der Linken wollte gerne möglichst viele der Linken Anträge durch den Ausschuss für Umwelt, Stadtgestaltung, Wohnen und Immobilien (AUSWI) für den Rat empfehlen lassen. Und so einigte man sich auch: DIE LINKE zog ihren Antrag zum Trinkraum zurück. Die SPD im AUSWI stimmte für den Antrag der Linken alle Arbeitsgelegenheiten (1-Euro-Jobs) in der Nordstadt in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung umzuwandeln. Dieser Antrag erhielt eine rot-rot-grüne Mehrheit und war für den Stadtrat somit empfohlen.
Der Empfehlung des AUSWI folgten dann auch der Kinder und Jugendausschuss, sowie der Betriebsausschuss FABIDO. Bei dieser Beschlussfassung war die Handschrift des Ausschussvorsitzenden Friedhelm Sohn (SPD) deutlich erkennbar. Lediglich der Sozialausschuss hat unter ihrem Vorsitzenden Michael Taranczewski diese Empfehlung abgelehnt.
Am 8.7.2010 hat der Rat der Stadt Dortmund das neue Nordstadtkonzept dann in der Version des AUSWI beschlossen. Die SPD stimmte allerdings dagegen. Der Vorsitzende des Sozialausschusses, Michael Taranczewski hielt die Gegenrede für die SPD, die von Marita Hetmeier fast wortgleich wiederholt werden musste. Eine klare Demütigung der SPD-Nordstadtvorsitzenden in aller Öffentlichkeit, die sie den Tränen nahe ertrug. Was war geschehen ? Offensichtlich hatten sich die erbitterten Gegner der Linken in der SPD durchgesetzt und versuchten die Vereinbarungen rückgängig zu machen.
Doch das Antragspaket im AUSWI war geschnürt und die Schnüre waren fest genug gezurrt. Keine Fraktion außer der SPD wollte dieses Paket wieder öffnen. Und so kam es, dass die Linken Nordstadtanträge mit einer Mehrheit von CDU, FDP, Grünen und Linken beschlossen wurden.
Doch wer gedacht hätte, dass der Antrag auf eine bessere Entlohnung für die 1-Euro-Jobber in der Nordstadt nun von der Verwaltung umgesetzt würde, sah sich getäuscht. Dortmund hatte seit dem 1.1.2011 eine neue Sozialdezernentin (Birgit Zörner, SPD) und die bezweifelte einfach mal, dass es einen Beschluss gab und interpretierte den Beschluss als „Prüfauftrag“. Dem haben wir natürlich deutlich widersprochen und auf die Niederschrift des Rates hingewiesen, aus der klar hervorgeht, dass es sich um einen Ratsbeschluss handelt.
Und tatsächlich: Im Frühjahr 2012 taucht der Antrag wieder in der Verwaltungsvorlage zur Beschlussverfolgung der Nordstadtanträge auf. Die Kennzeichnung war korrekt: Kein Prüfauftrag, sondern in der Tat ein Beschluss !
Aber dreister geht’s nicht mehr: Auf das Thema 1-Euro-Jobs wurde gar nicht eingegangen und stattdessen ein Loblied auf die Bürgerarbeitsplätze in der Nordstadt gesungen. Bürgerarbeitsplätze stehen aber gar nicht im Zusammenhang mit dem Thema 1-Euro-Job. Bürgerarbeitsplätze sind das Nachfolgemodell für die sogenannte Jobperspektive. Wer früher eine Stelle über die Jobperspektive hatte und nun eine Bürgerarbeitsstelle hat, der hat rund 500 Euro pro Monat an Einkommen verloren. Also wahrlich kein Konzept auf das man stolz sein kann.
DIE LINKE hat im Rat den Umgang mit dem Thema kritisiert und mehr Phantasie bei der Umsetzung des Antrags gefordert. Als Beispiele haben wir die öffentlichen Beschäftigungssektoren in Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und derzeit in Brandenburg angeführt, die jeweils von rot-roten Mehrheiten beschlossen wurden.
Dienstag, 27. März 2012
Kriegsentschädigungsrenten von Kontingentflüchtlingen
Im September 2011 wurde im Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages über die Anrechnung von russischen Kriegsentschädigungsrenten auf Leistungen nach dem SGB II (Hartz IV) und SGB XII (Sozialgeld) debatiert. Viele Sozialämter, besonders in Kommunen mit Haushaltsproblemen, rechneten diese kleinen 80 Euro-Renten voll auf die Sozialleistungen an. Die Petition stammte von jüdischen Flüchtlingen aus NRW, die die Schrecken des zweiten Weltkrieges wie die Belagerung von Leningrad noch selbst miterlebt hatten.
DIE LINKE im Dortmunder Rat wollte daher wissen, wie derartige Fälle in Dortmund behandelt werden. Ihre Anfrage an die Verwaltung wurde jedoch nicht in der üblichen 6 Wochen-Frist für die Beantwortung von Anfragen beantwortet, sondern ließ auf sich warten. Im Dezember riss den Linken dann der Geduldsfaden und sie beantragten im Finanzausschuss zu den Haushaltsberatungen für das Jahr 2012 russische Kriegsentschädigungsrenten anrechnungsfrei zu stellen. Dabei wußten sie aus früheren Anfragen, dass die Zahl der Kontingentflüchtlinge in Dortmund sehr überschaubar war und daher kein großer Haushaltsposten entstehen würde. Umso größer die Verwunderung als alle anderen Fraktionen das Ansinnen der Linken ablehnten (mit Ausnahme der Grünen, die sich der Stimme enthielten) und sich somit eine Blöße gegenüber der jüdischen Gemeinde in Dortmund gaben.
Im März 2012 nun die Überraschung - die Antwort der Verwaltung wurde doch noch dem Sozialausschuss vorgelegt: In Dortmund leben 12 (!) Kontingentflüchtlinge, deren Kriegsentschädigungen von der Dortmunder Sozialverwaltung nicht auf Sozialleistungen nach SGB II und XII angerechnet werden. Finanzielles Gesamtvolumen: 2000 Euro. Herzlichen Glückwunsch !
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